Mittwoch, 5. Januar 2011

Donovan reiten dritter Tag

Ich starte wieder wie gestern, denke mir noch: Der Stress mit dem Computer und die Ungewissheit, ob meine Daten alle gerettet sind, reicht. Ich weiß nicht, ob ich Donovan reiten will. Vielleicht spiele ich nur am Boden mit ihm.

Am Boden hat er wieder seine Aussetzer, wenn es ans Galoppieren geht. Eine Runde macht er, dann will ER Schluss machen. Das ist ab sofort nicht mehr erlaubt. ICH bestimme, wo er hin geht, wie lange und wie schnell er läuft. Er fügt sich, wenn auch widerwillig.

Er ist heute gelassener als gestern – trotz der Geräusche im Nachbargarten. Also gut, dann steige ich doch auf. Schade, dass ich heute nicht gefilmt habe, da wäre weitaus mehr zu sehen gewesen. Ich schenke mir heute auch das über den Sattel legen und setze mich gleich hin.

Die Trense habe ich um ein Loch länger geschnallt, sie schien gestern einen Hauch knapp gewesen zu sein. Er “erträgt” sie heute deutlich duldsamer, kaut auch nicht ständig darauf herum. Ich steige auf und mache es mir im Sattel bequem. Leckerlis gibt es nun auch keine mehr. Ich möchte gar nicht damit anfangen. (Vermutlich gab es die Leckerlis gestern und vorgestern auch nur, um MICH zu beruhigen und nicht das Pferd :-)

Dann starte ich wieder den Versuch: Schritt gehen. Gut ist es immer noch nicht, aber schon ein ganz klein wenig besser. Ich kann ihn ein bisschen buffen und schnalzen, darf auch die Zügel in die Hand nehmen. Das mit dem Lenken klappt noch nicht so toll, und der Schritt ist alles andere als fleißig oder gar geregelt. Aber das stört mich alles nicht. Ich bin selig, dass er so toll mitmacht. Am Ende ist er mit mir fast eine Zirkelrunde gegangen – ohne auch nur ein bisschen in Sorge geraten zu sein.

Er wirkt eher ein wenig hilflos, weiß noch nicht so genau, was ich eigentlich von ihm will. Na, das wird sich schon noch ändern.

Natürlich habe ich mit ihm zuvor am Gebiss ein wenig Handarbeit gemacht, ihn animiert, auf leichten Zügelzug nach links und rechts nachzugeben. Am Boden macht er es anstandslos. Das werde ich morgen auch im Sattel so lange probieren, bis es ein wenig klappt!

Montag, 3. Januar 2011

Der Winter gönnt uns eine Verschnaufpause

Seit dem Jahreswechsel hat es angefangen zu tauen. Von satten Minus 11 Grad tagsüber (nachts: Minus 15!) kletterte das Thermometer rauf auf Plus drei Grad am Mittag. Am 1. Januar (Samstag), war das noch nicht so schlimm. Da konnten die Pferde noch auf die Weide, und für mich war es etwas leichter, draußen alles in Ordnung zu bringen. Mir gelang es sogar, Dangos und Rasgas Paddock von der festgetretenen, mit Ködeln zersetzten Schneeschicht zu befreien. Bei Ceras Riesenpaddock gab ich nach der Hälfte auf.

Der zweite “Tau-Tag” war da schon unerfreulicher: Der Schnee war zentimeterweise weggetaut und sammelte sich in großen Wasserlachen auf den gepflasterten Flächen. Gern hätte ich die braune Brühe weggefegt – aber wohin? Die Schneeberge, die noch da sind, versperren den Weg zum Reitplatz, wo ich es im Sommer immer hin gefegt habe, auf der Mistplatte kann ich es auch nicht gebrauchen.

Die Pferde konten nun auch nicht mehr raus: Mehr vereister Schnee und noch gefrorene Erdhubbel (schreibt man das so???) als gesunden Pferdebeinen zuträglich ist.

Egal, wir können es nicht ändern. Das Ergebnis bekam ich dann Sonntag zu spüren: Über Nacht hatte es wieder leicht gefroren, der “Gülle-See” vor der Mistplatte eine einzige Eisfläche. Da half nichts, ich musste das Eis aufhacken und beseitigen, sonst wäre ich mit Donovan und Anton gar nicht aus ihrem Paddock gekommen. Es hat fast eine Stunde gedauert.

Und weil die Pferde nun nicht raus können, habe ich auch beschlossen, meinen Arbeitsablauf im Stall zu ändern: Erst die Pferde in der Halle arbeiten, dann die Stallarbeit. Zu oft ist es passiert, dass ich nach der Stallarbeit (jedenfalls bei diesen miesen Temperaturen) zu kaputt fürs Reiten war. Das soll sich nun ändern.

Ein neues Jahr, neue Vorsätze, ein neuer Anfang!

Mein Highlight des Tages – nein, des vergangenen Jahres!

Es geht um Donovan. Was soll ich sagen: Heute war der Tag der Tage: Ich habe ihn geritten! Na ja, wenn man das schon reiten nennen will…

Mit Sattel, Steigbügeln und Parelli-Halfter und –Strick war ich mit dem kleinen Schwarzen heute in der Halle. Erst ein bisschen “normales” Horsemanship-Training. Er muss galoppieren, wenn ich das will, ebenso flink muss er auf “Befehl” die Hand wechseln.

Und das Verschieben der Vorhand – für ihn oft eine unmögliche Geste seinerseits – habe ich ausgiebig geübt. Das klappte auf Anhieb. Das Verschieben der Vorhand, d.h. weichen, wenn ich auf seine Vorhand zugehe, ist für alle dominanten Pferde eine der Grundlektionen. Sie müssen mir Platz machen. In der freien Natur gilt: Wer weicht, hat “verloren”. Das konnte Donovan natürlich nicht dulden…

Nach dem der Start heute so gut klappte, wollte ich weiter gehen: Ich hatte mir schon vorher zwei Springblöcke in die Mitte der Halle hingestellt, um von dort aus aufzusteigen. Es sollte nicht die Bank in der Ecke sein, denn da bin ich selbst zu dicht an der Bande und in der Ecke gefangen. Das Pferd muss sich dann nach rechts wegwenden, um loszugehen. Keine geschickte Ausgangssituation.

Also habe ich ihn an die Blöcke herantreten lassen und habe mich über den Steigbügel über ihn gelegt. Hmm, keine Reaktion seinerseits. Er begann lediglich, sich für meine Schnürsenkel zu interessieren.

Ich wieder runter und noch einmal. Dasselbe Resultat. Nach einer weiteren Runde Führen ging’s wieder zurück zu den Blöcken. Diesmal driftete er mit der Hinterhand weg. Wie gut, dass er gelernt hat, seitwärts auf mich zu zu gehen! Das kam mir jetzt zu gute. Na, und dann bin ich einfach aufgestiegen. Habe ihn tüchtigst gelobt und gestrechelt.

Drei Mal das ganze. Eigentlich sollte dann Schluss sein, aber weil er so zufrieden da stand, konnte ich nicht widerstehen: Ich habe draufsitzender Weise etwas geschnalzt – und er marschierte los, besser gesagt schlich los. So habe ich mit ihm die erste kleine Zirkelrunde um die Blöcke geschafft. Dann war aber wirklich Schluss. Er hat zur Belohnung sogar ein Leckerli bekommen.

Mein Eindruck nach dem “Reiten”: Donovan stand da, mit gesenktem Kopf! und zufrieden, so als ob er sagen wollte: Na endlich! Wie lange sollte ich denn noch warten, ehe du mich reitest!

Einige der regelmäßigen Leser dieses Blogs (ich weiß, sie kommen aus allen Teilen des Landes, aus Österreich, der Schweiz und sogar aus Schweden) werden vielleicht denken: Na ja, aufsteigen und zwei Minuten Schritt…

Aber die, die Donovan kennen, seine Wutausbrüche einmal miterlebten oder gesehen haben, mit welcher Vehemenz er sich zu wehren versteht, wissen: Das ist ein großer Durchbruch für uns beide.

Morgen werde ich es wieder versuchen, dann wird er eine Trense tragen, damit ich einen Hauch von Möglichkeit zu lenken habe. Ziel sind 5 Minuten Schritt irgendwie auf dem Zirkel. Wenn es nicht zu kalt ist und ich daran denke, werde ich die Kamera mitlaufen lassen. Sonst glaubt mir am Ende gar keiner :-)

Samstag, 1. Januar 2011

Silvester in Tangstedt

Wie jedes Jahr bleibe ich an Silvester zu Hause. Ich mache mir Sorgen um die vielen Vierbeiner, die um Mitternacht stets den Weltuntergang fürchten müssen. Schon über Tag bereite ich den Stall entsprechend vor: Neben dem üblichen Misten und Fegen schließe ich die unteren Paddocktüren. Das mache ich, damit die Pferde nicht unkontrolliert hinausstürmen und sich verletzen. Dann gibt es für alle traditionell auch einen Mitternachtssnack. Das Futter soll sie ein wenig von der Knallerei ablenken. Das bereite ich ebenfalls vor.

Bei strahlendem Sonnenschein können die Pferde sogar bis 15.30 Uhr draußen bleiben. Zusammen mit Sara, Anja und Lena sammeln wir die Bande von draußen ab. Sie sind bass erstaunt, dass ihre Boxen zu sind.

Fünf vor zwölf gehe ich dann in den Stall, um zu füttern. Es hatte schon den ganzen Nachmittag geböllert, Dango und Rasga sind entsprechend aufgeregt, stecken sich immer wieder gegenseitig damit an. Die Jungs draußen auch. Kein Wunder. Im Stall muss ich noch ein paar Minuten ausharren. In den Jahren zuvor war ich mit dem Füttern immer etwas zu früh gewesen, da waren die Pferde mit dem Fressen schon fertig, als es loskrachte. Aber diesmal hat es gepasst.

Draußen versuche ich die Jungs zu locken. Ich habe keine Chance. Obwohl Anton sehr verfressen ist, traut er sich nicht in seinen Stall, das Futter rührt er nicht an, will auch nicht aus der Schüssel fressen. Und als die Raketen dann zeitgleich überall hoch gehen, galoppieren Anton und Donovan wie aneinandergebunden nebeneinander über die Weide. Zwanzig Minuten sind sie fast pausenlos gelaufen. Keine Chance, sie zu beruhigen.

Die Pferde drinnen kleben an ihren Türen und beobachteten das Spektakel mit großen Augen von drinnen. Alle – bis auf Cera und Asterix, die ja erst einmal ihr unerwartetes Abendmahl aufessen müssen! Verfressene Bande!

Letztlich kommen die Jungs draußen dann doch zu mir und holen sich wenigstens eine Handvoll Leckerlis ab. Sie sind ziemlich verschwitzt. Aber das konnte ich nicht verhindern. Vielleicht fällt mir für nächstes Jahr für die zwei, die draußen stehen, etwas anderes ein.

Ich bin jedenfalls froh, dass wieder nichts passiert ist, keine Böller in den Stall flogen, und auch sonst keine Sirenen im Dorf los gingen. Und das, obwohl es im Dorf mächtig gekracht hat – mehr als im letzten Jahr.

Das neue Jahrzehnt hat begonnen!

Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie, Eifersucht und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht.

Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt.

Dann wird die Masse mit sehr viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit.