Dienstag, 5. Oktober 2010

Mein Ritt mit Cera

Eigentlich fühlte ich mich heute noch total schlapp, und das Wetter war mit 20 Grad ganz schön warm. Trotzdem habe ich mich aufgerafft, Cera zu reiten. Sie hat schon ein so dichtes Fell, dass sie schon in der Box zu schwitzen anfängt.

Wir hatten einen gemütlichen Ritt auf dem neu hergerichteten Reitplatz – ein wirklicher Genuss. Wie gesagt, sehr kraftvoll konnte ich nicht reiten, mir nur Mühe geben, das Pferd nicht zu stören – und Cera machte fantastisch mit.

Das sollte mir zu denken geben… Offenbar ist weniger oft mehr…

Kadenztrab, abgewechselt mit normalem Trab und Galopp-Reprisen, etwas Schulterherein im Galopp und sogar der zaghafte Versuch von ein paar Galoppsprüngen im Travers – Cera war einfach toll bei der Sache. Trabvolten nach links und rechts, abgewechselt mit Galopp-Volten links und rechts - Ich habe nach 20 Minuten aufgehört, es hätte nicht besser werden können.

Woran ich zurzeit am intensivsten arbeite: Konzentriert beim Reiten zu bleiben, meine Gedanken auf die Lektion zu fokussieren, die ich gerade reiten will. Das fällt mir oft schwer. Zu leicht lasse ich mich von äußeren Einflüssen, von Menschen und den anderen Tieren ablenken. Aber: Es gelingt immer öfter und immer länger.

Ich versuche, Cera ein Bild “zu schicken”, wie es aussehen soll. Ich habe schon mehrfach gelesen, dass Tiere – auch Pferde – in Bildern denken. Warum sollte es mir also nicht möglich sein, mir vorzustellen, wie ein guter, schwungvoller Trab mit Cera aussieht, und Cera das Bild aufnimmt und kopiert?

Heute jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass wir dem Ziel schon sehr nahe gekommen sind. Es macht mich ganz aufgeregt, wenn ich mir vorstelle, dass das klappen kann. Welche Möglichkeiten der Kommunikation beim Reiten sind dann plötzlich offen?

Diese Philosophie versuche ich auch, meinen Reitschülern nahezubringen. Und ich kann stolz sagen, dass sie mich verstehen, dass sie wissen, was ich meine. Wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt, liegt es nur am Zusammenspiel von Körper und Geist. Nicht immer wollen Arme und Beine und Rücken so, wie der Reiter. Alle können meine Pferde allein durch schweres Ausatmen anhalten!

Hätte mir das jemand vor zehn Jahren erzählt, ich hätte ihn ausgelacht. Wie schön, dass man nie aufhört zu lernen…

Mich hat es “erwischt”!

Bereits am Donnerstag Abend ging es los: leichte Halsschmerzen, Unwohlsein, keine Lust zu irgend etwas…

Das setzte sich Freitag früh fort. Die Halsschmerzen nahmen zu, bald krächzte die Stimme, der Ton klang nasal. Tolles Timing, wo ich doch einen Tag später, am Samstag Nachmittag, meinen “Simulationskurs” haben sollte. Zum Absagen allemal zu spät… Also verlangsamte ich die Arbeit im Stall. Geritten bin ich auch nicht, um mich nicht zu sehr körperlich anzustrengen. Den Pferden war es egal – sie standen bei dem schönen Wetter bis in den Nachmittag auf der Weide.

Am Samstag konnte ich kaum noch reden, aber irgendwie hat doch alles super geklappt. 12 neugierige und wissbegierige Pferdemenschen wollten an sich selbst erleben, wie Kommunikation untereinander und mit dem Pferd funktionieren kann. Ich habe mir viel Mühe gegeben, alles Wissenswerte zu vermitteln, ich habe vorgemacht, dann durften die anderen in kleinen Gruppen ran.

Allein die Erfahrung, wie fein die Kommandos mit Knotenhalfter und Führseil beim Partner ankommen, wie wenig Energie es bedarf, um sich verständlich zu machen, war für alle wieder sehr erstaunlich. Und alle haben erfahren, wie schwer es ist, konzentriert Energie aufzubauen, um einen Bitte durchzusetzen, wie leicht es aber dann auch wird, wenn man weiß, wie es geht…

Ein rundum gelungener Nachmittag, den ich gewiss wiederholen werde. Am Abend war ich dann aber auch ziemlich ausgepowered. Ein heißes Bad und eine frühe Bettruhe waren meine Belohnung.

Sonntag hatte ich “nur” zwei Einzelstunden mit Dango und Cera. Und meine Reitschüler konnten das Gelernte vom Vortag gleich in die Praxis umsetzen.

Am Montag habe ich viel geschlafen – auch tagsüber – was gar nicht so einfach ist, wenn die Nase dicht ist und man nur durch den Mund genug Luft kriegt. Am späten Abend kam Reitschülerin Annette vorbei. Sie wollte mir im Stall helfen, Dango einmal “durchknuddeln” und Pferdeködel von der Weide sammeln. Der Clou: Sie hatte auch gleich noch Abendessen mitgebracht. Abendessen für zwei, aber ich war doch noch zu schlecht drauf, so dass es bei einem gemütlichen Tee bleiben musste. Das leckere Putenfilet habe ich mir dann etwas später allein in der Pfanne gebrutzelt. Danke für die tolle Idee!

Das Schlimmste ist nun aber überstanden. Die Nase ist zeitweilig schon wieder frei, der Husten lässt nach. Jetzt gilt es nur noch, wieder Kraft aufzubauen.

Mittwoch, 29. September 2010

Cera und HSH

Ich hatte in den letzten zwei Wochen drei HSH-Einführungen. Das heißt, dass ich Cera “vorführe”. Cera beginnt, sich daran zu gewöhnen, denn eigentlich geht sie immer dann besonders träge, wenn Zuschauer da sind.

Ich vermute ganz stark, dass es weniger am Pferd, als vielmehr an mir liegt. Vielleicht habe ich dann von vornherein zu große Erwartungen an das Pferd. Ich will ja zeigen, wie gut HSH den Pferden tut.

Es scheint mir jetzt zu gelingen, weniger Druck zu machen, einfach mehr anzunehmen, was kommt. Und dann wird Cera richtig eifrig. Ich merke das vor allem beim Reiten. Die eine Woche auf Trense in tiefer Einstellung hat Cera gut getan. Das Galopp-Problem ist zurzeit völlig weg. Handgalopp, Außengalopp – auch mehrfach hintereinander – kein Problem.

Gestern bin ich ein wenig mehr vorwärts geritten: Galopp, Ansatz zum Mittelgalopp (die lange Seite entlang), am Ende Trab und sofort aus der Ecke kehrt, und das ganze von vorn.

Cera kam richtig “in Wallung”. Der Kadenztrab war gut. Ich konnte ihn nur durch vermehrtes Beine schließen erzeugen. Ich muss aufpassen, nicht zu viel zu fordern, damit sie nicht die Lust verliert. Nur wenige Tritte – und normal weiter.

Weil der Galopp so gut klappte, versuchte ich sogar einige Seitwärtstritte in Richtung Traversale. Stellung und Biegung sind dabei nicht korrekt, aber Cera blieb im Galopp. Das ist für sie eine sehr schwere Übung.
Da es nun schon den dritten Tag trocken ist, hoffe ich, heute endlich den Reitplatz einweihen zu können! Da wird Cera sicher ein bisschen frischer sein. Die frostigen Temperaturen (heute früh waren die Autoscheiben zugefroren!) werden dabei helfen…

Sonntag, 26. September 2010

Und der Himmel öffnete seine Schleusen…

Ich hatte ja geschworen, nach der Hitzewelle im Juli nie wieder über Regen zu klagen. Aber dieses Mal kam es schon wirklich heftig. Mein wieder hergerichteter Reitplatz gleicht einem See, der eher Paddelboote als Pferdehufe verträgt:

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Immerhin kann man gut erkennen, dass das Gefälle des Platzes wieder stimmt. Das meiste Wasser sammelte sich hinten rechts in der Ecke – dort, wo auch das Abflussrohr zum Graben liegt. Mit Schaufel und Harke habe ich einen kleinen Graben gezogen, und so war am Nachmittag ein Großteils des Wassers wieder abgezogen. Natürlich ist der Platz immer noch völlig aufgeweicht. Zum Reiten taugt er so nicht. Ich habe ihn noch immer nicht einweihen können!

Anton benimmt sich wie ein Flegel

Das miese Wetter schlägt auch den Pferden aufs Gemüt. Anton ist schon seit ein paar Tagen unleidlich. Er will nicht traben, droht stets mit buckeln. O.k., dachte ich, dann machen wir eben Handarbeit. Anton ist zurzeit wirklich mit Wachsen beschäftigt. Er hat eine gewaltige Brust bekommen und einen kräftigen Hals – und er ist voll im Flegelalter.

Beim Satteln zickt er – und zwar nicht beim Gurten, sondern Sekunden später. Natürlich gurte ich vorsichtig – von jeder Seite immer nur ein Loch. Erst in der Halle ziehe ich den Gurt fester. Immer noch fürchtet er sich in der Halle vor der Bank. Er lässt mich von dort aus zwar aufsteigen, aber er mag anschließend nicht gerne dort daran vorbei gehen. Ich höre immer an der Bank auf mit Reiten, damit er das mit einem guten Gefühl verbindet. Das hilft aber nicht viel.

Um dieses Problem ein für alle Mal zu lösen, longiere ich ihn nun genau vor der Bank. Das ist nicht einfach, denn immer wenn er auf die Bank zugehen soll, versucht er, nach außen wegzudrehen und abzuhauen. Meine Longierleine führe ich deshalb durch den Ring des Kappzaums zurück an den Sattel. So habe ich einen kleinen Hebel, wenn ich ihn halten muss.

Das hat schon wieder die Niete des des Kappzaums gekostet… Das mit dem Longieren mache ich nun schon den dritten Tag – und immer wieder versucht er, loszustürmen. Erst wenn er erkennt, dass es keinen Sinn macht, fügt er sich. Ich lasse ihn zunächst im Schritt an der Bank vorbei gehen. Der Zirkel ist recht klein, damit ich ihn besser kontrollieren kann. Dann versuche ich, ihn zu vergrößern, um dann auch anzutraben.
Nach 15 Minuten geht er brav und willig in allen Gangarten. Mal sehen, wie lange es dauert, bis er von Anfang an mitspielt.

Anton hat Rückenprobleme. Meine Akupunktur-Tierärztin sagt, das ist nur oberflächlich und hängt mit seinem Wachstum zusammen. Deshalb möchte ich ihn nicht mit meinem Gewicht belasten. Aber arbeiten muss er schon. HSH im Hinterhergehen funktioniert prima. Anton geht ein feines Travers, kann die Schrittpirouette (groß) und die Schaukel im Nebenhergehen – aber alles eben nur, wenn es weit genug weg ist von der Bank. Deshalb das Zwischentraining mit dem Longieren.

Gestern habe ich Anton seine neue Regendecke gekauft – in der richtigen Größe. Nun muss er nicht mehr die von Donovan auftragen…

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Noch ist sie ganz sauber, und die Rallyestreifen glitzern, wenn Licht darauf fällt. Sie ist so groß, dass Anton gern noch ein paar Zentimeter mehr wachsen kann, ehe sie drückt. Bis Weihnachten wird er noch 2-3 Zentimeter mehr haben…