Samstag, 10. Oktober 2015

Eine düstere Woche…

Liebe Leser,

Es gibt so Wochen, die möchte man am liebsten vergessen und hinter sich lassen. Für mich war das gerade so eine!

Was ist passiert? In dieser Woche sind Anna und Manuel mit ihren Pferden für ein paar Tage zum Strandreiten nach Dänemark gefahren, und ich wollte in der Zeit ganz viel mit den Pferden machen, hatte mir schon ein Stangentraining ausgedacht und viel reiten. Das Wetter war ja bilderbuchmäßig. Da ich dann auch die Außenboxen nicht versorgen musste, würde ich schnell mit der Stallarbeit fertig sein.


Aber dann kam alles anders. Die Woche fing schon am Montag schräg an. Da hatte ich mich nämlich entschlossen, Danny das erste Mal zu reiten. Das Wetter war fantastisch, der Außenreitplatz wie gemalt. Und Reitschülerin Susanne war gekommen, mir das Pferd festzuhalten, sollte Danny nicht stehen bleiben. So habe ich zuerst den nagelneuen Sattel "zusammengestellt", mit Bügeln, Sattelgurt und Satteldecke. Ich wollte Danny so gerne reiten, weil einen Tag später Tierärztin Anja Willbrandt angekündigt war, mit einer neuen Akupunkturmethode Danny und Divina zu behandeln. Nach der Behandlung dürfen die Pferde drei Tage nicht gearbeitet werden…

Als ich in die Box zu Danny zum Putzen ging hörte ich gleich das unsaubere Klackergeräusch seiner Eisen: Eins war halb ab! Also habe ich den Schmied angerufen, damit er rasch kommen möge. Erreicht habe ich ihn nicht, konnte nur auf Band sprechen.

Stattdessen habe ich Divina in die HSH-Ausrüstung gesteckt und bin mit ihr gelaufen. Für mindestens 15 Minuten – dann war der Schmied da. Er muss irgendwie hergeflogen sein. Bis das Eisen wieder zurechtgebogen war und fest saß, war es zu dunkel, um noch was zu machen.

Am Dienstag bekam ich Post von einem Rechtsanwalt mit einer Abmahnung. Ich habe irgendwann einmal ein Cartoon von Uli Stein auf meiner Internetseite veröffentlicht – ohne das zu dürfen. Die fordern jetzt richtig Geld. Ich habe mich im Internet schlau gemacht und gelesen, dass ich wohl eine von inzwischen 20.000 Leuten bin, die von dieser Kanzlei zur Kasse gebeten werden. Das kann ich nicht ohne Anwalt regeln. So verbrachte den Abend damit, einen Rechtsanwalt zu suchen, der auf Medienrecht spezialisiert ist. Solltet ihr also jemals auf die Idee kommen, ein Cartoon von Uli Stein bei Facebook oder auf eurer eigenen Seite zu veröffentlichen – lasst es!…



Am Nachmittag war Anja Willbrandt wie verabredet da gewesen und hat die beiden Pferde "bearbeitet". Dieses Mal ging es vor allem um die Faszien. Eine neue Akupunkturtechnik, die von der Dänin Tove Due entdeckt bzw. entwickelt wurde. Den Pferden hat es total gefallen, sie waren tiefenentspannt, und Divina hatte größte Mühe, ihre Augen offen zu halten. Die Behandlung hat über drei Stunden gedauert, ich war danach völlig durchgefroren, trotz des schönen Wetters. Habe ja auch nur rumgestanden und die Pferde gehalten…

Der Mittwoch begann mit Dauerregen. Mein Gott, was hat das hier geschüttet! So schlimm, dass ich keines der Pferde rausgelassen habe. Obendrein kam um die Mittagszeit mein Schmied, um wieder alle Hufe aufzuhübschen. Ich bin dann zwischen den Pferden und in den Boxen herumgekrochen, die Ködel einzusammeln…

Am Donnerstag hat es immer noch ganz arg geregnet. Weiden, Paddocks, Reitplatz und Mistplatte standen total unter Wasser. Trotzdem hätte ich die Putzis für eine Weile rausgelassen, sich die Beine zu vertreten. Aber dann sah ich es: Divina. Sie stand auf ihrem Balkon und wollte gar nicht reinkommen. Konnte sie auch nicht: Sie streckte ein Hinterbein etwas zur Seite. Und das war Ofenrohr dick. Es waren gar keine Übergänge zwischen Fesselgelenk, Sprunggelenk und Knie zu erkennen. Das arme Pferd! Natürlich habe ich sofort den Tierarzt angerufen. Und natürlich habe ich keines der Pferde nach draußen gelassen, wollte ja nicht unnötig Unruhe in die Gruppe bringen.

Der Tierarzt kam mittags. Divina hatte fast 40 Grad Fieber und eine Entzündung der Vene an der Innenseite des rechten Oberschenkels, wohl verursacht durch einen Trombus. Das Blut wurde nur noch spärlich abtransportiert . Eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Anfassen des Beines ging gar nicht. Und Gehen auch fast gar nicht. Gott sei Dank wirkten die gespritzten Mittel (Blutverdünnung, Antibiotika und Schmerzmittel) recht schnell, so dass sie dann wenigstens in die Box stolperte, um ein bisschen Heu zu knabbern. Die anderen Pferde im Stall durften in Zweiergruppen in die Halle, während ich die Tonnen von Mist nach draußen geschafft habe. Die Boxen waren richtig "durchgemust". Ich habe die Pferde dann in der Halle noch ein bisschen bespaßt. Zu mehr hatte ich keinen Nerv. Um Mitternacht habe ich noch Mal nach Divina gesehen. Ich fand ihr Bein noch viel dicker – was eigentlich gar nicht möglich sein konnte, weil die Haut schon so gespannt war.

Am Freitag Morgen gab es für Divina den gleichen Medizincocktail wie am Vortag (und seitdem täglich!). Gott sei Dank war das Fieber fast weg und Divina guckte schon wieder etwas frischer aus der Wäsche. Die Pferde habe ich noch einmal drin gelassen, wollte nicht riskieren, dass sich Danny oder Rasga in dem Schlamm ein Eisen abtreten…


Als ich am Freitag Nachmittag wieder in die Wohnung kam: Ein Anruf auf meinem AB: Es hatte sich meine Zahnarztpraxis gemeldet, ich möge doch bitte zurückrufen. Das Labor käme so nicht zu Recht, sie bräuchten dringend noch einen weiteren Abdruck. Alle, die hier regelmäßig mitlesen, wissen, dass ich im August 2014 meine erste große Zahn-OP in Vollnarkose hatte, im März diesen Jahres die zweite. Alle meine Zähne wurden saniert, ich bin jetzt "stolzer" Besitzer von 11 Implantaten. Leider ist die Arbeit noch immer nicht abgeschlossen. Dieses Abdrücke-Machen kostet mich immer den ganzen Tag, weil ich vorher so aufgeregt bin, mir anschließend die Zähne weh tun und ich eh schon so gernervt bin, dass es kein Ende gibt. Eigentlich sollte ich nur noch einziges Mal zur Anrpobe der neuen Zähne hin, die dann zwei Wochen später fest eingesetzt werden sollten. Eigentlich… Jetzt wird sich wohl wieder alles noch weiter nach hinten verschieben. Mit viel Glück kann ich dann zu Weihnachten wieder fest zubeißen!

Aber gut, heute ist Samstag, und ich kann die letzte Woche zu den Akten legen. Die Pferde sind – bis auf Divina – alle gesund, alle geputzt und geritten, bzw. an der Hand gearbeitet. Und die Sonne hat heute auch wieder geschienen. Und Divinas Bein wird allmählich wieder dünner. Es wird aber wohl noch eine Woche dauern, ehe sie mit den anderen raus darf.

Vielleicht sollte ich mir zur Abwechslung Mal das Buch unten zu Gemüte führen?

Herzerwärmende Kurzgeschichten zum Lachen und Weinen:

Hühnersuppe für die Seele - für Frauen 

Dieses Buch bringt seine Leserinnen zum Lachen und Weinen und lässt sie fühlen, was wirklich wichtig im Leben ist. Es ermutigt dazu, Hindernisse zu überwinden, Träume zu verwirklichen und Brücken zwischen den Generationen zu schlagen.

Sonntag, 27. September 2015

Danny, auch genannt „Shaun, das Schaf“

Es gibt wieder ein paar Updates (und Fotos von Angela) aus meinem Stall. Heute will ich von Danny berichten, dem neuen Pferd von Julia. Ich habe den Neuankömmling in den ersten Tagen ja als übergriffigen Rüpel kennengelernt, der einen gnadenlos über den Haufen rennt, wenn er glaubt, nicht schnell genug seiner Herde hinterher zu kommen. Julia hatte daraufhin ja sofort Manuel engagiert, dem großen Dicken Manieren beizubringen.

Das hat Manuel auch perfekt hingekriegt. Aus heutiger Sicht glaube ich aber eher, dass Danny nicht übergriffig, sondern ängstlich war: Neues Zuhause, neue Pferdekumpels, ihm nicht vertraute Menschen, ein ganz anderer Stallablauf… Nichtsdestotrotz war sein Auftreten einfach gefährlich.


Inzwischen steht Danny fast sechs Wochen in meinem Stall. Leider konnte Julia mit ihm noch nicht allzuviel machen. Erst hatte er Probleme mit seinen viel zu kurzen Hufen, die ihm weh taten und er deshalb nicht gerne gelaufen ist. Die Hufe wurden durch Klebeeisen "repariert". Die tun ihm richtig gut und helfen ihm, wieder anständig Fuß zu fassen. In den letzten zweieinhalb Wochen kränkelte auch Julia, konnte nur sporadisch in den Stall kommen – und dass, obwohl sie doch eigentlich Urlaub hatte! Wie doof. Julia ist zwar auf dem Wege der Besserung, aber noch nicht wieder voll fit.

In der Zwischenzeit hat Manuel gelegentlich mit ihm gearbeitet. Aber der fällt in den nächsten Wochen auch mehr oder weniger aus, weil er erstens in Urlaub fährt und anschließend umzieht. Weil Julia in der nächsten Woche einen neuen Job beginnt und noch nicht sagen kann, wie sie mit der Zeit dann klar kommen wird, hat sie mir Danny in Vollberitt gegeben. Damit kann Julia entspannt mit ihrer Zeit umgehen, und Danny ist trotzdem regelmäßig beschäftigt.

Ich habe vor drei Tagen angefangen, intensiver mit ihm umzugehen. Am ersten Tag mit einer ausgiebigen Putz- und Kuscheleinheit. Er liebt es, gekrault zu werden, würde dabei allzugern den Reisverschluss der Jacke oder die Ecke des Kragens erwischen. Einfach nur ein großes Baby, daher auch der neue Spitzname – Shaun, das Schaf!


In der Pferdeausbildung wollen Manuel und ich das Gleiche erzielen, haben aber unterschiedliche Herangehensweisen. Deshalb kommt es für mich zunächst darauf an, mit Danny eine Kommunikation aufzubauen. Er muss meine Körpersprache, meine Kommandos verstehen und umsetzen lernen. Und das klappt im Eiltempo! Ich bin echt überrascht. Natürlich möchte ich ihn zunächst ein bisschen in HSH am Boden trainieren.

Wirklich ausbilden muss ich ihn nicht, denn er ist sauber und gut bis Dressurklasse L geritten. Was jetzt als erstes auf dem Programm stehen muss, ist abspecken. Danny gleicht mehr einem Schlachtross, als einem Dressurcrack! Das heißt: Er muss sich viel bewegen, viel traben, viel galoppieren, um Pfunde abzubauen.

In dieser Bilderreihe, die Angela mit ihrer Kamera geschossen hat, seht ihr mich am ersten Tag mit Danny auf dem Platz. Er hat schon ein Drittel der HSH-Ausrüstung dran, nämlich Kappzaum und Leinen. Sattel und Ausbinder kommen dann nächste Woche dazu.


Ich stimme Danny auf die Arbeit ein. Ob er meine Gedanken lesen kann? Jedenfalls genießt er den Kontakt.


Ein Ohr aufmerksam auf mich gerichtet, eines neugierig in die Kamera.

Danny gehört zu der gemütlichen Sorte Pferd, zu den Energiesparern, die nur soviel laufen, wie sie unbedingt müssen.


Auf den Galopp-Bildern seht ihr, wie sehr ich mich abmühe, ihm ein paar fleißigere Schritte abzuringen. Ich laufe noch beinah ein bisschen mehr, als er. Das wird sich aber ändern!






Das Ergebnis mit der ersten Trainingseinheit hat mich gefreut, und Danny sieht auch kein bisschen verwirrt aus, benimmt sich wie ein braves Schäfchen, eben wie Shaun…

Heute war ich nun das zweite Mal mit ihm auf dem Platz. Ich habe vom gestrigen Tag gelernt, und bin besser "bewaffnet" in den Ring gestiegen: Mit der langen Longierpeitsche. Wirklich bewegen tut Danny das nicht, ich musste immer noch ganz schön Wind machen, um ihn fleißig zu bewegen. Gestern wollte ich ihn zu Beginn noch mit einem geführten Schulterherein und Vorwärts- und Rückwärtsschritten ("Schaukel") beschäftigen. Das kann ich mir schenken, denn Danny beherrscht diese Lektionen im Schlaf. So habe ich heute das "stell dich gerade!" hinzugenommen, um ihm etwas Neues zu bieten. Klappt noch nicht, aber wir arbeiten dran.

Schön hingegen war die Longiereinheit. War er zu Beginn genauso träge wie gestern, hat er sich heute rasch gesteigert und ist in Wahnsinns Trabtritten um den Platz gesteppt. Der sieht übrigens beinah wie gepflügt aus, weil da wo Danny hintritt, kein Gras mehr wächst! Er hat nach der Hälfte der Zeit viel geschnaubt und mal versucht, ein bisschen Dehnungshaltung einzunehmen. Nur für eine halbe bis eine Zirkelrunde, dann aber immer mal wieder. Und immer, wenn er den Hals entspannt und fallen lässt, verlängert er seine Tritte. War sehr beeindruckend, das zu beobachten.

Und ich kann ganz ruhig in der Mitte bleiben, ein bisschen mitgehen, muss ihn aber nicht mehr anfeuern. Der Gang ist eingelegt.

Ich schätze Danny inzwischen so ganz anders ein als noch am Anfang. Er ist ein verspielter kleiner Junge, der nichts als Flausen im Kopf hat. Beispiel gefällig?

Die Stahlecker-Leinen sind am Kappzaum ja mit dünnen Plastik-Sporenriemchen eingeschnallt, damit sie im Notfall reißen, sollte das Pferd einmal auf die Leinen treten. Danny liebt es, die Riemchen ins Maul zu nehmen. Ich muss so aufpassen, dass das nicht passiert. Und nehme ich ihm die Riemchen auf der einen Seite aus dem Maul, hat er mit der anderen Maulseite schon ein Ende der Gurtleinen zu fassen!

Er ist ein echter Kasper, der gerne auf den Schoß möchte, beim Menschen Schutz sucht. Kommt bei seiner Masse nur nicht so gut…

Donnerstag, 17. September 2015

Meine Ernährungsumstellung – Teil 2

Es ist Zeit für ein Update. Meine Ernährungsumstellung liegt nun gut vier Monate zurück und ich bin immer noch bemüht, mich daran zu halten. Insgesamt verspüre ich inzwischen weniger Hunger, auch den Jieper auf bestimmte Produkte habe ich nicht mehr.

Strikt vegan lebe ich nicht, denn meinen Tee süße ich nach wie vor mit Honig, und in unserem Dorf-Restaurant (Tangstedter Mühle) habe ich inzwischen zweimal gegessen – Carpaccio vom Rind mit Salat. Das Essen ist dann zwar rohköstlich, aber nicht vegan.

Seit vier Monaten habe ich keinen einzigen Krümel Zucker zu mir genommen, insgesamt nur zehn Scheiben Brot. Ich hatte keinen Käse mehr, keine Butter und natürlich keinen Wurstaufstrich. Ich glaube, dass mir das sehr gut bekommt.

Stattdessen gab es Unmengen von Tomaten, Zucchini (die mochte ich früher eher nicht so), selbstgemachtes Basilikumpesto und Salat mit selbst kreierten Soßen. Dazu kiloweise frisches Obst – meist zu einem Smoothie verarbeitet.

Eines der einfachsten Soßen-Rezepte, das mannigfaltig variierbar ist:

100 g Cashew-Nüsse
Knoblauch (wenn man’s mag)
1/2 – 1 Avocado
Salz, Pfeffer
etwas Wasser

Das wird alles bis zur Unkenntlichkeit im personal Blender zu einer dicklichen Soße püriert.

Wenn ich keine Avocado habe, mixe ich 2-3 Tomaten mit rein, gerne mit frischem Basilikum. Wenn die Soße zu fest wird, fülle ich mit Olivenöl auf, Wasser funktioniert genauso.

Mit Gewürzen bin ich ja nicht so experimentierfreudig. Wer sich damit gut auskennt, findet sicher noch Gewürze, die diese Soße verfeinern.

Diese Soße hält eine Woche im Kühlschrank. Ich mache sie mir also auf Vorrat, dann geht der Salat am Mittag sehr schnell. Diese Soße etwas dicker gehalten ist auch ein sehr leckerer Dipp für Gemüsestreifen. Ein toller Snack für zwischendurch.

Weil ich fürs Kochen nicht stundenlang in der Küche stehen möchte, habe ich mir noch ein paar Kleingeräte angeschafft. Dieses Teil ist DER Hit. Ich schnippel in Minuten Unmengen von Karotten, Zwiebeln, Pilze usw. - alles in perfekt kleine, gleichmäßige Teile.



Genius Nicer Dicer Chef (15 Teile) | Obstschneider, Gemüseschneider, Zwiebelschneider, Zerkleinerer, Gemüsehobel, Mandoline, Grün




Samstag, 5. September 2015

Normaler Alltag im Stall Schöpke

In den letzten 14 Tagen ging es hier ziemlich geschäftig zu, ein Termin jagte den nächsten. Letzten Dienstag war unser Sattler Frank Kähler da, um Julias Pferd Danny zu besatteln. Er hatte etliche Modelle mit, und drei davon kamen in die engere Wahl. Julia hat sich nach dem Probereiten für einen bequemen Massimo-Sattel entschieden. Damit ist sie in der Ausrüstung für Danny komplett und kann mit ihrem Pferd „loslegen“ – wenn seine Füße in Ordnung gebracht sind.

Unser Schmied kam am Donnerstag, und der war mit dem Zustand von Dannys Hufen gar nicht zufrieden. Seine Hufe sind an den Rändern völlig ausgebrochen und bröselig und insgesamt viel zu kurz. Die brüchigen Kanten rühren von den Nagellöchern der Eisen her, die erst vor fünf Wochen – noch beim Vorbesitzer – abgenommen worden waren. Mein Schmied hat die Hufe nur leicht berunden können und vorgeschlagen, das Pferd mindestens sechs Wochen nicht zu reiten, damit die Füße eine Chance haben, nachzuwachsen. Er empfahl Hufschuhe zu besorgen, oder Klebe-Eisen…


Danny lacht sich eins. Er genießt ein paar arbeitsfreie Tage im Kreise seiner Kumpels.

Prompt kam Danny am Folgetag sehr klamm aus der Box, wollte Abends auch gar nicht mehr auf seinem gepflasterten Balkon stehen. Ich habe daraufhin für den Balkon die alte Einstreu aus allen Boxen zusammengekarrt und ihm draußen wie drinnen in der Box eine dicke Matratze eingestreut.

Trotzdem wurde es nach drei Tagen nicht besser. Julia musste den Tierarzt zu Rate ziehen. Der diagnostizierte eine Huflederhautentzündung vorne und riet Julia, das Pferd mit Klebeeisen zu versorgen. Gott sei Dank hatte er auch die Nummer eines Schmiedes, der ausschließlich und schon seit Jahren mit Klebe-Eisen arbeitet. Der kommt schon morgen am Samstag. Eine Woche lang kriegt Danny nun ein leichtes Schmerz- und Entzündungshemmer-Mittel und hat Arbeitspause.

Ansonsten hat sich der Dicke prima eingelebt, ist gut Freund mit allen anderen und macht alle paar Minuten Mähnekraulen mit Divina oder Dango – je nachdem, wer gerade an Krauleinheiten interessiert ist.

Letzten Donnerstag war zeitgleich mit dem Schmied die Osteopathin Sabine Grewe wieder auf meinem Hof. Ich wollte sie dieses Mal für Dango haben, der ja unter den wechselnden Temperaturen und dem feucht-schwülen Wetter sehr gelitten hat. Er hat sich wieder mächtig gescheuert und kommt recht steif aus seiner Box. Die Arthrose macht ihm zu schaffen, und er braucht ein paar Minuten, um sich einzulaufen. Das kann ich nachvollziehen, weil sich bei mir bei so einem Wetter auch die Knochen melden.


Dango im Spanischen Schritt. Den hat er erst bei mir gelernt und liebt diese Angeberpose!

Dango wird von den Reitschülern und mir geputzt, eingesprüht, regelmäßig eingecremt und ganz doll lieb gehabt, aber das hilft seiner Arthrose natürlich wenig. Sabine Grewe hat Brust und Halswirbel zurecht gerückt, Muskelverklebungen behoben und ihn zum Abschluss mit einer kleinen Reiki-Behandlung verwöhnt. Das hat er sichtlich genossen!

Ich bekam die Auflage, ihn nach zwei Tagen Pause eine Woche lang alleine zu reiten, um ihn beim Reiten gerade zu richten und gut an den äußeren Zügel zu bringen. Das ist für meine Reitschüler einfach schwer zu erzeugen, und auch ich habe dabei ganz schön viel Mühe. Ich soll alle Lektionen abrufen, die er schon einmal konnte, so gut, wie es eben geht, damit er nicht völlig einrostet.

Dango ist in den letzten Jahren doch ganz schön gealtert. Wie sagte vor ein paar Jahren ein Orthopäde nach der Diagnose einmal zu mir? „Der Zustand Ihrer Knochen ist ihrem Alter leider weit voraus!“ Da habe ich schon etwas verdutzt geguckt, damals!

Vielleicht geht es Dango mit seinen Gelenken auch so. Trotzdem reite ich mit ihm alle Dressurlektionen, die er einmal beherrscht hat. Er gibt sich wie immer die größte Mühe, und ich kann spüren, wie sehr es ihn freut, wieder mehr gefordert zu werden. Ich habe ihn die ganze Woche bewegt und bin sehr viel galoppiert, dabei entspannt er am meisten. Große Galopp-Pirouetten, Fliegende Wechsel, Schulterherein, Traversalen und Verstärkungen in den Gangarten sollen ihn wieder ein bisschen „ölen“ – natürlich nach einer langen Einlaufphase im Schritt. So ganz gelungen ist mir das in dieser einen Woche nicht, aber es hat ihn insgesamt wieder etwas fleißiger und wacher gemacht.

Das zweite Pferd in Sabine Grewes Behandlung war Julias Danny. Auch bei Danny gab es allerhand Punkte, die zu behandeln waren. Von der Hüfte bis hin zur Halswirbelsäule. Aber ich vermute, dass ein Osteopath sowieso immer etwas findet, was er verbessern kann. Für Danny bekamen wir zusätzlich von Sabine die Empfehlung, die Leber zu entgiften, um den Stoffwechsel anzukurbeln und seiner Körperfülle entgegen zu wirken.

Nach einer intensiven Internet-Recherche bin ich auf eine Firma gestoßen, die diese Kräuter zur Entgiftung in entsprechenden Mischungen getrocknet anbietet. Also nicht verarbeitet und pellettiert. Ich kann diese Firma sehr empfehlen. Zahlreiche Artikel informieren über die verschiedenen Wehwehchen und was man dagegen tun kann. Und auch am Telefon bekommt man detaillierte und fachkundige Auskunft. Die Lieferung erfolgt ultraschnell. Was bis 11.00 Uhr morgens bestellt ist, wird noch am selben Tag verschickt! Wer selber einmal schauen möchte: http://www.natural-horse-care.com/.

Auf dieser Seite wurde darauf hingewiesen, dass man, bevor man die Leber entgiftet, erst die Nieren in Gang bringen soll, damit die in der Lage sind, die Giftstoffe ordentlich abzutransportieren. Weil ich weiß, dass auch Dangos Stoffwechsel gestört sein muss (er hat ja Sommerexzem) und auch Cera ewig mit ihren Pfunden kämpft, habe ich die Nieren- und Leberkräuter gleich für meine Pferde mitbestellt. Zusätzlich gab es noch ein Pulver, um Dannys Hufwachstum anzukurbeln.

Als Evi (Besitzerin von Rasga) von meiner Entgiftungskur hörte, wollte sie sich auch noch mit einklinken. So dürfen sich jetzt alle Stallpferde mit dem neuen Kräuterzusatz auseinandersetzen. Sehr große Begeisterung kam zunächst nicht auf. Vor allem Divina und Danny haben ihren Hafer mit der Nase hin und her geschoben und hineingeschnorchelt und den Trog erst bis zum anderen Morgen komplett leergefressen. Dass Cera auch die bitteren Kräuter mit aufschleckt, muss ich nicht extra erwähnen… Lach.


Cera in einer leichten Trabverstärkung.

So intensiv, wie ich mit Divina und Dango auf dem Platz unterwegs war, so regelmäßig habe ich auch Cera geritten. Sie ist zurzeit lahmfrei und bei den kühlen Temperaturen auch äußerst gehfreudig. Ich habe sie die letzten Tage sogar wieder mit Kandare geritten.


Ceras Lieblingsübung, das Steigen. Immer noch mühelos und kraftvoll.

Ich bin immer wieder begeistert, dass ich noch alle Lektionen abrufen kann. Sie geht nicht mehr so leichtfüßig wie früher, aber fleißig und für mich mit wenig Anstrengung.


Cera im Spanischen Gruß. Ich stehte leider etwas im Weg.

Julia hat immer noch Herzchen in den Augen, wenn sie bei ihrem Danny steht.


Zwei, die sich ganz doll mögen: Julia mit ihrem „Dicken“.

Für Julia waren die letzten beiden Wochen mindestens ebenso spannend wie für ihr Pferd, obwohl sie ihn bisher nur drei Mal reiten konnte.

Das erste Mal der Schmied, dann die Osteopathin, das erste Mal erlebt, wie es ist, wenn man sich einen neuen Sattel anschafft.

Und auch der erste Tierarztbesuch war im Vorwege total aufregend.

Die ersten Horsemanship-Stunden mit Manuel… Natürlich hat sie schon ein wenig Horsemanship-Erfahrung mit meinen Pferden gesammelt, aber es ist doch etwas ganz anderes, wenn man vor oder neben dem eigenen Pferd steht…

Aber jetzt hat Julia Urlaub und alle wichtigen Termine für ihr Pferd hinter sich gebracht. Jetzt können die beiden einander vertraut werden!


Das ist Antje, schon über 70, die heute das vierte Mal auf dem Pferd sitzt…


Was für eine tolle Cera! Sie hat so auf Antje aufgepasst und ist brav im Schritt um den Reitplatz gelaufen – mit Halfter und Seilzügeln dran. Und Antje? Sie kann vor lauter Aufregung, Konzentration, Freude und Fühlen noch gar keine Kommandos und große Erklärungen annehmen!


Freitag, 21. August 2015

Starkregen, Sonne und aufgeregte Pferde

Julias neues Pferd Danny steht nun schon seit fast zwei Wochen bei uns. Er hat sich inzwischen schon ganz gut eingelebt. Er ist kein besonders ranghohes Pferd, total verspielt, verschmust, lieb und anhänglich – und ohne Respekt! Wenn er irgendwo hin will, geht er und schiebt seine gut 700 Kilo an einem vorbei, egal, ob man dort steht oder nicht. So hatte ich in den ersten zwei Tagen meine liebe Not, ihn alleine vom Roundpen in den Stall zu bringen. Ist schon beeindruckend, wenn sich so ein schwarzer Koloss beim Führen „an einen schmiegt“…

Julia hat aber schon am zweiten Tag Manuel für eine Horsemanshipstunde gebucht. Und Manuel hat ihm klar gemacht, dass man als Pferd nicht dort stehen kann, wo schon ein Mensch steht. Diese eine Einheit hat bei Danny gewaltig Eindruck gemacht. Ich vermute, dass ihm noch nie jemand so klar und liebevoll die Grenzen aufgezeigt hat.

So verbessert sich sein Benehmen täglich, er freut sich, wenn er gefallen darf. Weil Danny solche Probleme mit dem Alleinsein im Roundpen hatte, durfte er bereits am zweiten Tag mit in die Herde – und auf die Weide. Es gab ein paar Galopp-Eskapaden und wilde Buckeleien, aber keiner ist über den anderen hergefallen.

Leider habe ich von Danny kein aktuelles Foto, aber ich habe ein paar Aufnahmen vom ersten Tag auf dem Paddock, bzw. Roundpen:


Anfangs sind alle etwas unschlüssig hin und hergelaufen. Zu ihrer Entrüstung waren ja die Weiden geschlossen.


Aber dann siegte ihr Hunger aufs Heu. Danny kann man im Hintergrund leider kaum erkennen.





Divina hat sich erst einmal ein intensives Sandbad gegönnt, um danach wie von der Tarantel gestochen aufzuspringen. Meine Güte, was ist dieses Pferd gelenkig. Kann sich winden wie ein Aal. Da bin ich aber froh, nicht drauf zu sitzen, denn da hätte es mich wohl kaum oben gehalten!



Cera und Dango. Die beiden lassen sich von nichts beeindrucken und machen Mähnekraulen.

Der zweite Tag mit gemeinsamem Weidegang war dann schon völlig problemlos. Alle haben gegrast. Die Stuten waren schon vorher alle rossig gewesen und haben nochmal das noch ein wenig verstärkt, um dem neuen attraktiven Jüngling zu imponieren.

Gleich in der ersten Woche war Julia rührig. Sie hat nicht nur mit Manuel und alleine Horsemanship geübt, sie hat auch gleich Anja Willbrandt für eine Akupunkturbehandlung bestellt, damit sie Danny hilft, sich besser einzugliedern. Und gestern war eine Dame zur Sattelanprobe bei uns. Julia muss ja noch einen Sattel kaufen, damit sie Danny auch reiten kann.

Jetzt ist mein Stall wieder bis auf den letzten Platz besetzt, und meine kleine Herde kann sich neu sortieren. Rasga steht nun nicht mehr so eng mit Madrigal zusammen, sondern hat sich Divina und Cornette angeschlossen. Dango weicht natürlich nicht von seiner Cera, der das manchmal schon ein wenig lästig ist, und Danny und Madrigal stehen meist allein. Aber wer weiß schon, ob das so bleiben wird.

Was kann ich sonst noch über meine Pferde berichten? Bei den extrem schwülen Temperaturen hatten alle ein paar Tage hitzefrei. Sie hatten mit dem Wetter ganz schön zu kämpfen und sind alle ganz zerstochen – obwohl ich sie regelmäßig einsprühe.

Mit Divina war ich in dieser Woche ein paar Mal in der Halle. Die starken Regenfälle haben den Außenplatz leider unbenutzbar gemacht. Was war sie am ersten Tag aufgeregt! Hallenspiegel scheint sie nicht zu kennen, und das Seitenfenster in der Halle war ihr ebenso unheimlich. Sie war auch nicht bereit, die Hallenecken zu inspizieren…

Inzwischen macht ihr das nichts mehr aus. Vorgestern und heute habe ich ihr beigebracht, seitwärts an die Bank heranzutreten. Sie lernt wirklich schnell! Von der Bank will ich ja später zum Reiten aufsteigen. Morgen wird es wieder HSH auf dem Außenplatz geben.

Dango hat der Wechsel zwischen extremer Schwüle, Regen und Hitze ganz schön zugesetzt. Der alte Mann ist ganz schön steif geworden. Ihn plagt seine Arthrose. Ich werde für ihn die Ostheopatin Sabine Grewe holen, die ja schon Divina so sehr geholfen hat. Danny soll sie dann auch gleich mitbehandeln. Dieses Jahr ist auch sein Sommerexzem wieder aufgeblüht. Die Mähne ist komplett abgescheuert, ebenso die Schweifrübe. Der Bauch ist auch fast kahl. Er wird täglich eingecremt und hat spezielles Mückenspray. Leider hilft das dieses Jahr alles nichts. Es sind einfach zu viele Insekten unterwegs.

Cera ist komplett lahmfrei. Ich reite sie sogar wieder auf Kandare und es macht Spaß zu beobachten, dass sie wirlich nichts verlernt hat. Natürlich muss ich es langsam angehen lassen. Ich halte die Reiteinheiten kurz, um sie nicht zu überfordern. Wie gern hätte ich es, dass sie ein paar Kilos abspeckt. Obwohl sie – wie nun auch Danny – auf Diät ist und die Weiden nicht mehr viel Gras haben, nimmt sie nicht ab, Gott sei Dank auch nicht weiter zu.

Und wie geht es Rasga? Die „grande Dame“ in unserem Stall ist noch mit am fittesten von allen. Sie ist übereifrig bei der Arbeit, genießt die Putzeinheiten und schmeißt die Beine bei der Bodenarbeit! Dass sie schon drei Jahre älter ist als Dango, merkt man ihr wahrlich nicht an.